Kurs 2
Philosophische Gespräche: Auf dem Weg zum Selbst
Je älter die Kinder werden, desto komplexer werden ihre Gedankengänge und Fragestellungen. Es sind nun nicht nur die unmittelbare Freude an der Entdeckung der Vielfalt der Welt und die Neugierde an ihrer äußerlichen Dinglichkeit und ihrer innerlichen Auffassung, die wir bei den Vorschul- und Grundschulkindern immer wieder aufs Neue erleben, sondern auch erste ernsthafte Erklärungsversuche der Problemfragen – und fälle, welche die Kinder umtreiben. Der Schwerpunkt der Fragestellung verschiebt sich dabei von der rein ontologischen Faszination und deren theologischen Gründen zur eigenen Identität und deren Stellung im sozialen Zusammensein - also hin zu normativ-moralischen Themen.
Das sind dann Fragen wie: „Wer bin ich?“ oder „Was macht mich aus?“ oder „Was für eine Rolle spiele ich in meiner Familie?“, „Darf man lügen?“, „Soll man im eigenen Zimmer aufräumen?“ oder „Darf man die dritte Person benutzen, um zu einem eigenen Vorteil zu kommen?“ oder auch mit dem Fokus auf der Wahrhaftigkeit: „Was ist die echte Freundschaft?“.
Die Sitzung ist jeweils auf ein Thema ausgerichtet und wird in Form eines Dialog durchgeführt. Als Diskussionsmaterial werden unterschiedliche, zum Thema passende Textstellen, Bilder oder auch ein Musikstück herangezogen.
Der Einsatz eines jeden Kursteilnehmers ist gefragt, dies reguliert sich durch eine individuelle und gruppenorientierte Aufgabenverteilung. Jeder Teilnehmer soll für sich herausfinden, wie es für ihn am einfachsten ist, an den Kern des Themas zu kommen, sei es durch die Sinne, logische Zusammenhänge oder durch Eingebung.
Im Rahmen des Kurses vollzieht sich nicht nur eine kreative Begriffssuche und –bildung, es formiert sich ein kritisches und eigenständiges Denken. Denn die Art und Weise, wie ein Mensch für sich die Welt erschließt, eröffnet für ihn nicht nur die Türen zu dieser Welt, sondern zu sich selbst.
Die Erfahrungen, die die Kinder während der philosophischen Gesprächen sammeln, sind besonderer Natur. Die Kinder erleben sich selbst und die anderen Beteiligten beim aktiven Denken und lernen dadurch ihre eigene Position zu vertreten und die Position des Gegenüber zu verstehen und zu diskutieren. Sie lernen somit aktiv im sozialen Umfeld zu denken und mitzudenken.





